Spitzzüngig, pointiert, mit viel Humor und einem elaborierten Gefühl für Situationskomik unterhält Hans Augustin in »Der kurze Traum der Braut des Sohnes des Architekten« jeden intellektuellen Lesenden auf das Vortrefflichste, der gerne Figuren in Slice-of-Life-Short-Stories folgt, die in Italien, in Osteuropa, in Paris, aber auch in New York situiert sind, die uns mit nach Vietnam nehmen und die öfters zeitlos schwebend wirken. Klug gebaut, mit sprachlichem Witz, kennen sie stets ein Geheimnis, das sich erst nach und nach zu einem überraschenden Ende hin lüftet – und manchmal auch nicht: Ein Rest an Verborgenheit bleibt, hallt in uns nach und gibt uns zu denken. Und so lässt es sich bei dieser Lektüre wunderbar erholen, während es draußen vielleicht doch noch einmal leicht regnet, bevor »[…] die Bäume im Park […] allmählich die Geduld [verlieren] und die Blätter, auf dem leeren Kinderspielplatz tummeln sich ein paar Hunde, die sich das Hinterteil breitspurig hineingedrückt, den Sand bei den Sandburgen zunutze machen, die Besitzer stehen daneben, die Leine in der Hand, und unterhalten sich, an die Kinder denken sie nicht, irgendwann kommt für jeden von uns der Winter […]« (S. 95). So eilen die Handlungen dieser Stories dahin, raffen Zeit oder verdichten sich zu stimmungsvollen Tableaus, während andere mit Zeitsprüngen und Kontrasten gearbeitet sind. Alle jedoch fesseln sie, von der ersten bis zur letzten Zeile.
Erschienen ist »Der kurze Traum« übrigens in der »edition laurin«, und wer ihn nicht liest, weiß nicht, welche Entdeckung er oder sie hier verpasst!
Augustin, Hans: Der kurze Traum der Braut des Sohnes des Architekten. Innsbruck: edition laurin / Innsbruck University Press 2021.