Lektüren · 07. Mai 2018
»Jud Süß« ist kein Plot wie jeder andere. Dafür sorgte nicht bloß Veit Harlan, der Mann hinter dem gleichnamigen Propagandafilm der Nationalsozialist*innen; das griffe zu kurz. Antisemitismus und freier Umgang mit historischen Fakten, bis Ende des 20. Jahrhunderts nicht zugängliche Dokumente und Akten förderten eine verzerrte Sicht auf die historische Persönlichkeit des Joseph Süß Oppenheimer.
Literatur & Poetik · 02. Mai 2018
Was wollen LeserInnen lesen – diese Frage scheint mittlerweile dominanter geworden zu sein als diejenige nach der Beschaffenheit der Literatur. Wir sind von Jean-Paul Sartre zu Verkaufslisten galoppiert und scheinen das auch noch gut zu finden. Was aber bleibt dabei auf der Strecke, und wohin führt uns der ›feel good‹-Roman?
Lesereisen · 28. April 2018
Lesereisen wie diese in die Ukraine inspirieren. Nicht nur des Blicks auf eine andere Lesekultur wegen oder der neuen Eindrücke, die eigene Welthaltigkeit nähren. Es sind vor allem die Begegnungen, welche bereichern!
Literatur & Poetik · 04. April 2018
Ein Einspruchsgrund gegen den Nobelpreis war dieser Roman, der Literaturgeschichte schrieb. Thomas Manns »Zauberberg« ist die bis heute faszinierende Darstellung einer Epoche, ein Zeitroman im doppelten Sinn, angesiedelt im geschlossenen Raum eines Lungensanatoriums, am Vorabend des ersten Weltkriegs. Was über das eingesetzte Strukturmittel ›Zeit‹ in der Verwobenheit des umfassenden Romans hinaus noch auffällt, ist Thomas Manns Vorliebe für codierte Sprache, implizite Hinweise auf Sexualität …
Lektüren · 05. März 2018
Haben Sie sich jemals gefragt, ob Sie für das Verhalten Ihrer Kinder anderen gegenüber verantwortlich sind? – Therese in Arthur Schnitzlers gleichnamigem Roman ergeht es so. Ihr über sich selbst verhängter Schuldspruch, nimmt alle Schandtaten des Sohnes auf sich; unabhängig ob es sich dabei um Gaunerei oder Zuhälterei handelt, selbst den finalen Mord an ihr, der Mutter. Statt den Sohn je in die Verantwortung zu nehmen. Wiederholt lässt sie sich von ihm um Geld erpressen, welches ihr...
Literatur & Poetik · 05. Februar 2018
Oder: Weshalb man sich mancher Werke bloß mit dem Adjektiv ›nett‹ erinnert, während James Joyce, Thomas Mann und Virginia Woolf im Gedächtnis bleiben Sie sind mal wieder en vogue, die Herren, die schreiben wollen, meist nicht können oder zumindest kein Ende ihrer Erzählungen finden; sie tummeln und lümmeln sich auf der Kinoleinwand und in Buchseiten. Besonders der amerikanische Film entdeckte in diesem Jahrzehnt erneut den Literaten als Figur, die ordnungsgemäß dramatisch mit sich...
Lektüren · 07. Januar 2018
Relektüren – insbesondere auch von Säulenheiligen eigener Schreibbiographie – können einem manchmal Enttäuschendes bescheren, nicht nur weil die Leseerinnerung – verankert an manch einer Szene, die im Gedächtnis blieb – oft einer späteren Prüfung nicht standhält; ab und an weil Erzählgesten und -modi einem Jahrzehnte später nicht mehr zu genügen vermögen: »Oft will mir scheinen, daß ich nur damals, als Dreizehn- und Vierzehnjähriger, wirklich zu lesen verstand. Wie...
Literatur & Politik · 19. Dezember 2017
Gotische Romane – besser bekannt unter dem englischsprachigen Terminus ›Gothic Novel‹, ein Wort, welches dennoch nichts anderes besagt, doch offenbar weitaus intelligenter klingt – erlebten in der Zeit der Romantik in der europäischen Literatur eine Blüte; mehr als das: Was Horace Walpole 1764 mit »Schloss von Otranto« initiierte, hat bis heute Einfluss; nicht zuletzt weil die literarische Melange aus Unerklärlichem und Übernatürlichem seit jeher Menschen reizte, ihre Neugier...
Literatur & Poetik · 10. November 2017
Oft stellen mir Leser/innen in Werkstattgesprächen oder in ihren e-Mails die Frage der Inspiration: Woher ich denn den Einfall zu diesem oder jenem Werk hätte. Und je mehr Jahre im Schreiben vergehen und je öfter ich darauf antworte, desto mehr komme ich zu der Überzeugung, es bleibe stets der Versuch einer Antwort. Nicht bloß weil es vom Ideenkeim bis zum final realisierten und gedruckten Werk ein weiter Weg in zahllosen verschiedenen Schritten und über einige Hürden ist. Bedenkt man,...
Literatur & Poetik · 01. November 2017
Alle Geschichten sind bereits erzählt: Liebe und Hass, Geburt und Tod, Wahnsinn, Leben, Sterben, von Verrat und Vertrauen, vom Hoffen und Enttäuschen – ist ihr Kern, welche Melodien und Musterkombinationen sich darum herum weben, welche Verbindungen sie untereinander eingehen, das sind die Schrauben an denen sich noch drehen lässt. Es geht folglich primär darum, sie anders zu erzählen. Erkennt man dies, nimmt die sprachliche und strukturelle Ausgestaltung immer breiteren Raum ein, ihre...

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