Zeitgenössische Literatur · 25. November 2022
Die Geschichte einer Enttäuschung. Oder: Leonardo Paduras Roman »Wie Staub im Wind«
Dass ich Leonardo Paduras Erzähluniversen sehr gerne mag, dürfte wohl kaum mehr ein Geheimnis sein. Weniger seine Kriminalromane, die zwar gut unterhalten, aber kaum herausfordern, sondern vor allem seine einfühlsamen und kritischen Gesellschaftsporträts mit ihrer ausgezeichneten Figurengestaltung. Umso größer die Freude auf ein neues Leseabenteuer durch die Neuerscheinung »Wie Staub im Wind«, die mich jedoch nicht gänzlich überzeugte.
Zeitgenössische Literatur · 18. November 2022
Nancy Hustons Roman »Infrarot« Oder: Wenn man dir sagt, dass du nichts bist, folgt die Auslöschung – oder deine Behauptung!
Die kanadisch-französische Autorin Nancy Huston baut ihre Werke gerne um ein Geheimnis auf, umkreist dieses in Andeutung, bis es seinen Weg Schwarz auf Weiß auf die Buchseite findet. Im Zusammenspiel mit der manchmal auch durchaus herausfordernden Mehrschichtigkeit ihrer Inhalte bewirkt dies einen gelungenen Spannungsbogen.
Klassiker der Weltliteratur · 11. November 2022
Von Holzklötzen und den guten Tagen der Ochsen. Oder: Was hat Somerset Maughams »Mrs. Craddock« mit »Lady Chatterley« zu tun?
Ich entschloss mich, diesem Autor, den ich als ›konventionell, eher uninteressant‹ im Gedächtnis abgespeichert hatte, eine Chance zu geben. Keine Ahnung, woher sich dieses Urteil in meinem Bewusstsein gebildet hatte, an eine Romanlektüre kann ich mich nämlich nicht erinnern, wenn, dann müsste sie wohl in Jugendtagen geschehen sein, als ich mich die Leihbibliothek rauf und runter las.
Literatur & Politik · 04. November 2022
Ein Zuhause – für einige Jahre. Oder: Eva Weissweiler über das italienische Exil der Familie Benjamin.
Eine biografische Darstellung des italienischen Exils der Familie Benjamin, das all jene interessieren wird, die sich für Geschichte, die 1930er-Jahre in Italien, Exilforschung und/oder HerStory begeistern, verfasst von Eva Weissweiler, mit gewohnt gewissenhafter Recherche und auf Basis ihrer umfassenden Kenntnisse über die Familie Benjamin.
Klassiker der Weltliteratur · 27. Oktober 2022
Lou Andreas-Salomé, die Psychoanalyse und die Literatur. Oder: Über »Ruth«, Rollenbilder und das Wachsen zu eigenem Sein
Lou Andreas-Salomés wohl berühmteste Erzählung »Ruth«, die auch heute noch berührt; trotz des etwas pathetischen Gestaltungsatems an den emotionalsten Stellen. Die Auseinandersetzung mit diesem Werk des endenden 19. Jahrhunderts lohnt sich auf jeden Fall, zudem es auch Einblicke in eine literarische sowie gesellschaftliche Entwicklung bietet.
Klassiker der Weltliteratur · 21. Oktober 2022
Eine Meisterin der Kurzgeschichte oder: Anais Nins Erzählungen in »Unter einer Glasglocke«
Höchste Zeit für eine Renaissance: Man lese Anaïs Nins Erzählungen und vergesse alles, was man da oder dort über sie hörte. Es tut not, sich ohne vorgefasste Bilder, Urteile und Ansprüche außerhalb der Erzählwelt in diese Prosa zu vertiefen; um ihrer selbst willen.
Über die Buchbranche schreiben: Geschichte des Lesens und des Buchdrucks
Obgleich es für Erwachsene zahlreiche Sachbücher zum Thema gibt, auch manchen Kitschroman über kleine Buchläden im Irgendwo, sind (historische) Romane über die Entwicklung des literarischen Feldes selten. Umso erfreulicher Christoph W. Bauers Roman »Der Buchdrucker der Medici«, der erzählend fundierte Einblicke in einen Wirtschaftszweig gewährt.
Klassiker der Weltliteratur · 01. Oktober 2022
Nichts hat dieser kluge Essay Virginia Woolfs an Relevanz eingebüßt, weder hinsichtlicher der brennenden Frage, wie Krieg zu verhindern sei, noch im Hinblick auf die Bildungsmisere, den Existenzkampf, den Überlebenskampf in der Arbeitswelt, der oft genug dazu führt, dass sich der Verstand zu verkaufen hat: Was schlimmer sei als einen Körper zu verkaufen, so Woolf!
Literatur & Politik · 16. September 2022
Quatscht nicht darüber, macht es! Oder: 7 Impulse zur Zukunft der Kultur
Im Müry Salzmann Verlag erschien ein schmales Büchlein mit dem programmatischen Titel »Don’t tell show. 7 Impulse zur Zukunft der Kultur«, das mich naturgemäß bereits aufgrund des Titels ansprach und das sich vor allem als Einladung zum Selbstständigen-Denken versteht.
Rendezvous in Manhattan oder: Es lohnt sich, Grete Hartwig-Manschinger wiederzuentdecken
Eine Leseeinladung für einen höchst interessanten Roman über den amerikanischen Traum, in dem man versinken will, sobald man die ersten Seiten gelesen hat: spannend, anregend und kritisch, zudem unterhaltsam. Eine ausgezeichnete Sommerlektüre also.

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