Literatur & Poetik · 10. November 2017
Oft stellen mir Leser/innen in Werkstattgesprächen oder in ihren e-Mails die Frage der Inspiration: Woher ich denn den Einfall zu diesem oder jenem Werk hätte. Und je mehr Jahre im Schreiben vergehen und je öfter ich darauf antworte, desto mehr komme ich zu der Überzeugung, es bleibe stets der Versuch einer Antwort. Nicht bloß weil es vom Ideenkeim bis zum final realisierten und gedruckten Werk ein weiter Weg in zahllosen verschiedenen Schritten und über einige Hürden ist. Bedenkt man,...
Literatur & Poetik · 01. November 2017
Alle Geschichten sind bereits erzählt: Liebe und Hass, Geburt und Tod, Wahnsinn, Leben, Sterben, von Verrat und Vertrauen, vom Hoffen und Enttäuschen – ist ihr Kern, welche Melodien und Musterkombinationen sich darum herum weben, welche Verbindungen sie untereinander eingehen, das sind die Schrauben an denen sich noch drehen lässt. Es geht folglich primär darum, sie anders zu erzählen. Erkennt man dies, nimmt die sprachliche und strukturelle Ausgestaltung immer breiteren Raum ein, ihre...
Literatur & Poetik · 30. Oktober 2017
Manchmal wird einem dennoch das selbstgewählte Arbeitsthema im Durchwühlen des Recherchematerials zur Bürde – wie während der Arbeit an »¡Leben!«, ein Faction-Roman, zur Verfolgung und Ermordung Homosexueller während der NS-Zeit, Tage, Wochen in Archiven, Gedenkstätten schleichen sich in Träume des Nachts; oder um »Das Hospital zum Guten Ende« zu bauen: Fassbomben auf Aleppo, ein Stadt in Schutt und Asche – solches Bildmaterial begleitet einen in den Supermarkt, wo man das...
Literatur & Poetik · 23. Oktober 2017
Denn, wer Geld verdienen will, sollte sich keinesfalls an Ausnahmen der Branche wie Rowling zum Beispiel orientieren – außer er oder sie liebt die alsbald und dafür mit Sicherheit eintretende Frustration . Mit Literatur wird kaum einer reich. Der Schreibwunsch ist eine Existenzform, ich bin und bleibe Literatin, am Schreibtisch, im Bett, beim Einkauf, unter der Dusche und wende ich den Kompost. Es schreibt in mir. Anders kann ich in dieser Welt nicht sein. Es ist die Liebe zur Sprache, zum...
Literatur & Poetik · 16. Oktober 2017
Legt ihn an die Kette, den Hund, er ist ein Kritiker Zum Beenden eines Werks, in der Trennung von diesem, erfolgt auch die Übergabe – zuerst an privat ausgewählte Erstleser/innen, alsdann an Lektor/in und Verleger/in, Pressesprecher/in, schon geht es an die Vertreter/innen und die Journalist/innen mit Sperrdatum … bis der Roman erscheint: Ihn den anderen in die Hand geben, und damit auch ihnen überantworten, was sie damit machen, fiel mir besonders bei den ersten drei Romanen schwer....
Literatur & Poetik · 09. Oktober 2017
Ein Fazit meiner Art des Arbeitens besteht darin, dass kein Werk dem anderen ähnelt, weder im Ton noch im gewählten Sprachduktus. Was passionierte Leser/innen meiner Prosa stets aufs Neue erstaunt. Ergänzend sei hier hinzugefügt: Mit jener so gerne von Kritiker/innen konstatierten Meldung ›sie hat ihre Sprache gefunden‹ würde man in meinen Augen über lebende Literat/innen ein Todesurteil verhängen. Gerne möge man mir jedoch nachsagen, Schachingers Werke sind stets akribisch genau...
Literatur & Poetik · 02. Oktober 2017
Ich wurde ersucht, im Rahmen eines Vortrages meine Poetik, mein Werk und meine persönliche Vision literarischer Schöpfung darzulegen. Auf den ersten Blick dünkt es, nichts sei leichter als das. Auf den zweiten hingegen zerfranst sich der rote Faden, den ich in der Hand zu halten meinte, zerfasert sich in einzelne Stränge, die nunmehr nebeneinander am Tisch liegen, sie ziehen Schleifen, ufern aus und führen doch alle wieder zurück, verharren in einer Parallele bevor sie erneut aufbrechen...
Literatur & Politik · 04. September 2017
»Immer wieder werden wir mit der Ansicht bombardiert, wonach die Welt, die wir einst kannten, am 11. September 2001 ihr Ende fand«, schrieb Wole Soyinka in »Klima der Angst«; und wir sollten uns erinnern: Wer Angst sät, will Macht ernten. … nein, die Welt, die wir kennen, fand kein Ende. Nicht 2001, auch nicht 2015. Und auch nicht, wenn Frankreich nach Artikel 15 die Menschenrechtskonvention aussetzt, weil ›das Leben der Nation durch Krieg oder einen anderen öffentlichen Notstand...
Lektüren · 05. Juni 2017
An wesentliche Dinge, sollte man sich detail- und bildreich erinnern können. Meint man. Dabei ist einem zumeist im Moment des Geschehens die Bedeutung eines Ereignisses gänzlich unklar. 1995 kaufte ich mir auf jeden Fall zwei Bücher. Vermutlich und wie ich mich kenne erstand ich 1995 ein Vielfaches davon, doch hier soll von jenen beiden die Rede sein. Also? Nicht unwesentlich ist wohl, dass ich zu jener Zeit in Paris lebte. Jeden Morgen ging ich von meiner winzigen Wohnung auf der Île de la...
Literatur & Politik · 03. April 2017
Literatur & Feminismus, das eine ist überlebensnotwendig, das andere trägt seine Geschichte in sich, wie eine alte Krummkrücke, deren Tocktock selten nur noch über Steinböden klingt, gerne ungehört verhallt, denn notieren lässt sich vieles, die Geduld der Schrift ist seit Jahrhunderten bekannt. Die Literatur sei fest in weiblicher Hand, schrieb Brigitte Theissl am 21. Juli dieses Jahres sinngemäß im »Standard« nach einem Sieg der Literatinnen beim diesjährigen »Bachmannpreis«....

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