Literatur & Poetik

Literatur & Poetik · 13. August 2018
Wir, die Lehrenden des Instituts für Narrative Kunst, haben uns den page 99 test von Ford Maddox Ford zum Vorbild genommen, um zu zeigen, wie Literat*innen lesen und gerade auch in Seminaren zum Literarischen Schreiben mit Referenztexten arbeiten. Im Gegensatz zu Ford Maddox Ford wählten wir uns die Seite 33 und spannen im Blog-Intro außerdem einen knappen Bogen auf das Gesamtwerk … Ein Urteil über die literarische Qualität ist uns nicht primäres Anliegen, sondern der Lernakt aus der Lektüre …
Literatur & Poetik · 02. Mai 2018
Was wollen LeserInnen lesen – diese Frage scheint mittlerweile dominanter geworden zu sein als diejenige nach der Beschaffenheit der Literatur. Wir sind von Jean-Paul Sartre zu Verkaufslisten galoppiert und scheinen das auch noch gut zu finden. Was aber bleibt dabei auf der Strecke, und wohin führt uns der ›feel good‹-Roman?
Literatur & Poetik · 04. April 2018
Ein Einspruchsgrund gegen den Nobelpreis war dieser Roman, der Literaturgeschichte schrieb. Thomas Manns »Zauberberg« ist die bis heute faszinierende Darstellung einer Epoche, ein Zeitroman im doppelten Sinn, angesiedelt im geschlossenen Raum eines Lungensanatoriums, am Vorabend des ersten Weltkriegs. Was über das eingesetzte Strukturmittel ›Zeit‹ in der Verwobenheit des umfassenden Romans hinaus noch auffällt, ist Thomas Manns Vorliebe für codierte Sprache, implizite Hinweise auf Sexualität …
Literatur & Poetik · 05. Februar 2018
Oder: Weshalb man sich mancher Werke bloß mit dem Adjektiv ›nett‹ erinnert, während James Joyce, Thomas Mann und Virginia Woolf im Gedächtnis bleiben Sie sind mal wieder en vogue, die Herren, die schreiben wollen, meist nicht können oder zumindest kein Ende ihrer Erzählungen finden; sie tummeln und lümmeln sich auf der Kinoleinwand und in Buchseiten. Besonders der amerikanische Film entdeckte in diesem Jahrzehnt erneut den Literaten als Figur, die ordnungsgemäß dramatisch mit sich...
Literatur & Poetik · 10. November 2017
Oft stellen mir Leser/innen in Werkstattgesprächen oder in ihren e-Mails die Frage der Inspiration: Woher ich denn den Einfall zu diesem oder jenem Werk hätte. Und je mehr Jahre im Schreiben vergehen und je öfter ich darauf antworte, desto mehr komme ich zu der Überzeugung, es bleibe stets der Versuch einer Antwort. Nicht bloß weil es vom Ideenkeim bis zum final realisierten und gedruckten Werk ein weiter Weg in zahllosen verschiedenen Schritten und über einige Hürden ist. Bedenkt man,...
Literatur & Poetik · 01. November 2017
Alle Geschichten sind bereits erzählt: Liebe und Hass, Geburt und Tod, Wahnsinn, Leben, Sterben, von Verrat und Vertrauen, vom Hoffen und Enttäuschen – ist ihr Kern, welche Melodien und Musterkombinationen sich darum herum weben, welche Verbindungen sie untereinander eingehen, das sind die Schrauben an denen sich noch drehen lässt. Es geht folglich primär darum, sie anders zu erzählen. Erkennt man dies, nimmt die sprachliche und strukturelle Ausgestaltung immer breiteren Raum ein, ihre...
Literatur & Poetik · 30. Oktober 2017
Manchmal wird einem dennoch das selbstgewählte Arbeitsthema im Durchwühlen des Recherchematerials zur Bürde – wie während der Arbeit an »¡Leben!«, ein Faction-Roman, zur Verfolgung und Ermordung Homosexueller während der NS-Zeit, Tage, Wochen in Archiven, Gedenkstätten schleichen sich in Träume des Nachts; oder um »Das Hospital zum Guten Ende« zu bauen: Fassbomben auf Aleppo, ein Stadt in Schutt und Asche – solches Bildmaterial begleitet einen in den Supermarkt, wo man das...
Literatur & Poetik · 23. Oktober 2017
Denn, wer Geld verdienen will, sollte sich keinesfalls an Ausnahmen der Branche wie Rowling zum Beispiel orientieren – außer er oder sie liebt die alsbald und dafür mit Sicherheit eintretende Frustration . Mit Literatur wird kaum einer reich. Der Schreibwunsch ist eine Existenzform, ich bin und bleibe Literatin, am Schreibtisch, im Bett, beim Einkauf, unter der Dusche und wende ich den Kompost. Es schreibt in mir. Anders kann ich in dieser Welt nicht sein. Es ist die Liebe zur Sprache, zum...
Literatur & Poetik · 16. Oktober 2017
Legt ihn an die Kette, den Hund, er ist ein Kritiker Zum Beenden eines Werks, in der Trennung von diesem, erfolgt auch die Übergabe – zuerst an privat ausgewählte Erstleser/innen, alsdann an Lektor/in und Verleger/in, Pressesprecher/in, schon geht es an die Vertreter/innen und die Journalist/innen mit Sperrdatum … bis der Roman erscheint: Ihn den anderen in die Hand geben, und damit auch ihnen überantworten, was sie damit machen, fiel mir besonders bei den ersten drei Romanen schwer....
Literatur & Poetik · 09. Oktober 2017
Ein Fazit meiner Art des Arbeitens besteht darin, dass kein Werk dem anderen ähnelt, weder im Ton noch im gewählten Sprachduktus. Was passionierte Leser/innen meiner Prosa stets aufs Neue erstaunt. Ergänzend sei hier hinzugefügt: Mit jener so gerne von Kritiker/innen konstatierten Meldung ›sie hat ihre Sprache gefunden‹ würde man in meinen Augen über lebende Literat/innen ein Todesurteil verhängen. Gerne möge man mir jedoch nachsagen, Schachingers Werke sind stets akribisch genau...

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