Lektüren

Lektüren · 02. November 2018
Bloß ›ein halber Feiertag‹ ist der 2. November, ein daher stolpernder-holpernder also, einer, der es nicht schaffte, in die Liste der wahrhaftigen Ruhetage aufgenommen zu werden, die zum Innehalten und Nachsinnen vorgesehen sind. So relevant dünken uns Seelen eben nicht. Dass sie Ruhe bräuchten, damit danach das Leben erneut zielgerichtet voranschreiten möge … Während die evangelische Kirche diesen Tag als Festtag aller Verstorbenen, tituliert als Buß- und Bettag, bei den Lebenden...
Lektüren · 01. Oktober 2018
Über den sich verändernden Kanon der Weltliteratur, die Historie des Fortsetzungsromans – von Pinocchio bis Stephen King – und weshalb es sich lohnt, »Effi Briest« zu lesen, selbst wenn Duelle wegen Liebesaffären und damit einhergehender Ehrbeleidigungen nicht mehr an der Tagesordnung stehen mögen …
Lektüren · 29. August 2018
Was »Emma Bovary« rund 160 Jahre nach Erscheinen noch immer grandiose Lektüre sein lässt: Die Kunstgriffe mit Hilfe derer Flaubert dieses Erzähluniversum gestaltet! Von Kommunizierenden Röhren über Zeitsprünge bis zu Geschlossenen Vorhängen ist die Rede …
Lektüren · 02. Juli 2018
»Der Friedhof in Prag« folgt den Spuren der wohl weltbekanntesten Fälschung, die jemals aus politischen Gründen initiiert wurde, und verdeutlicht nicht nur das Infame dieser ›Protokolle‹, sondern schildert zudem die verschworene Welt der Spione und Geheimagenten.
Lektüren · 11. Juni 2018
Evelyn Waughs »Wiedersehen mit Brideshead« wird gemeinhin gerne F. Scott Fitzgeralds Meisterwerk »Der große Gatsby« als Pendant gegenübergestellt – ein Vergleich, der nicht hält, was er verspricht.
Lektüren · 04. Juni 2018
Manche Werke der Weltliteratur sind einem ein Ärgernis. Entscheidend ist dabei die Frage, ob dieses Zürnen bereits am Beginn oder erst im Lauf der Lektüre seinen Höhepunkt erreicht. Beide Varianten können zum Abbruch der Begegnung führen. Was jedoch tun, streiten sich Autor und Nachwortverfasser um den Olymp des Zorns? Und weshalb es sich dennoch lohnen kann, einen Roman wie »Wiedersehen in Brideshead« von Evelyn Waugh zu lesen!
Lektüren · 07. Mai 2018
»Jud Süß« ist kein Plot wie jeder andere. Dafür sorgte nicht bloß Veit Harlan, der Mann hinter dem gleichnamigen Propagandafilm der Nationalsozialist*innen; das griffe zu kurz. Antisemitismus und freier Umgang mit historischen Fakten, bis Ende des 20. Jahrhunderts nicht zugängliche Dokumente und Akten förderten eine verzerrte Sicht auf die historische Persönlichkeit des Joseph Süß Oppenheimer.
Lektüren · 05. März 2018
Haben Sie sich jemals gefragt, ob Sie für das Verhalten Ihrer Kinder anderen gegenüber verantwortlich sind? – Therese in Arthur Schnitzlers gleichnamigem Roman ergeht es so. Ihr über sich selbst verhängter Schuldspruch, nimmt alle Schandtaten des Sohnes auf sich; unabhängig ob es sich dabei um Gaunerei oder Zuhälterei handelt, selbst den finalen Mord an ihr, der Mutter. Statt den Sohn je in die Verantwortung zu nehmen. Wiederholt lässt sie sich von ihm um Geld erpressen, welches ihr...
Lektüren · 07. Januar 2018
Relektüren – insbesondere auch von Säulenheiligen eigener Schreibbiographie – können einem manchmal Enttäuschendes bescheren, nicht nur weil die Leseerinnerung – verankert an manch einer Szene, die im Gedächtnis blieb – oft einer späteren Prüfung nicht standhält; ab und an weil Erzählgesten und -modi einem Jahrzehnte später nicht mehr zu genügen vermögen: »Oft will mir scheinen, daß ich nur damals, als Dreizehn- und Vierzehnjähriger, wirklich zu lesen verstand. Wie...
Lektüren · 05. Juni 2017
An wesentliche Dinge, sollte man sich detail- und bildreich erinnern können. Meint man. Dabei ist einem zumeist im Moment des Geschehens die Bedeutung eines Ereignisses gänzlich unklar. 1995 kaufte ich mir auf jeden Fall zwei Bücher. Vermutlich und wie ich mich kenne erstand ich 1995 ein Vielfaches davon, doch hier soll von jenen beiden die Rede sein. Also? Nicht unwesentlich ist wohl, dass ich zu jener Zeit in Paris lebte. Jeden Morgen ging ich von meiner winzigen Wohnung auf der Île de la...