Lektüren

Lektüren · 22. April 2019
Anton Tschechow gelang mit einer kurzen Erzählung von rund 40 Seiten, wovon zahlreiche Literat*innen träumen: Das eigene Werk möge nicht nur verfilmt werden, es möge nicht nur Stoff für Auseinandersetzungen liefern, sondern obendrein auch noch Kolleg*innen dazu anregen, den Plot gleichfalls aufzugreifen. Mit einem Wort: Es möge Wellen schlagen. Vorzugsweise Ewigkeiten über die eigene Zeit hinaus.
Lektüren · 05. April 2019
Robert Seethalers »Das Feld« macht es einem nicht leicht. Das Werk ist eine Sammlung von dreißig Miniaturen, die nur mittels eines Ortes verbunden sind – dem Paulstädter Friedhof, den einer der Protagonist*innen gerne besucht und auf dem die anderen begraben liegen. Ein faszinierendes Setting? Wäre es, wenn nicht …
Lektüren · 17. März 2019
»John Thomas & Lady Jane« ist ein sonderbarer Roman; nicht nur, da diese zweite Fassung der Lady Chatterley ihren Titel dem abwertenden Kommentar einer Erstleserin verdankt, oder weil ihr fulminanter Beginn alsdann wie ein rostiger Karren auf einem Steinweg, Schlaglöcher gesäumt, ins Holpern gerät – bevor er erneut, doch wiederum unter anderen Vorzeichen, rasant Fahrt aufnimmt.
Lektüren · 03. März 2019
Wer Michel Houellebecqs Schaffen mitverfolgt, weiß mittlerweile, was ihn oder sie in jedem Roman erwartet, von Provokation kann daher keine Rede sein. Sie nutzt sich ab, wie jede mehrfach gesetzte Handlung. 
Lektüren · 04. Februar 2019
»Der Trafikant« verhalf dem Romancier R. Seethaler zum Durchbruch. Was aber ist dran an der Geschichte, an ihrer Erzählart? Was trug zu jenem erstaunlichen Echo bei, dass sie erfuhr, denn offenbar sprach und spricht dieses Werk unterschiedlichste Leser*innen gleichermaßen an, sodass mal kurzerhand auf die ansonsten so gern gesetzte Frist eines halben Jahres vergessen wird? [Als hätte Literatur selbst ein Ablaufdatum, bloß weil ›der Betrieb› so gerne im ewig bemühten ›Weiter! Weiter!‹ drängt …]
Lektüren · 04. Februar 2019
Manchmal biege ich um eine Ecke und entdecke das Paradies, steige in einen Krater und berge Diamanten, durchblättere ein Buch – und finde einen Schatz an einer Haltestelle in der Wüste. 
Lektüren · 07. Januar 2019
Jean Améry klagt Gustave Flaubert an: In seinem 1978 erschienen Werk »Charles Bovary, Landarzt. Porträt eines einfachen Mannes« fordert Améry mit einer polemischen Heftigkeit, die einen manchmal sprachlos zurücklässt, erzählerische Gerechtigkeit für Emmas Gatten Charles. Denn an der habe Flaubert es fehlen lassen. Und dies aus unlauteren Motiven – just da wird es jedoch brenzlig.
Lektüren · 02. November 2018
Bloß ›ein halber Feiertag‹ ist der 2. November, ein daher stolpernder-holpernder also, einer, der es nicht schaffte, in die Liste der wahrhaftigen Ruhetage aufgenommen zu werden, die zum Innehalten und Nachsinnen vorgesehen sind. So relevant dünken uns Seelen eben nicht. Dass sie Ruhe bräuchten, damit danach das Leben erneut zielgerichtet voranschreiten möge … Während die evangelische Kirche diesen Tag als Festtag aller Verstorbenen, tituliert als Buß- und Bettag, bei den Lebenden...
Lektüren · 01. Oktober 2018
Über den sich verändernden Kanon der Weltliteratur, die Historie des Fortsetzungsromans – von Pinocchio bis Stephen King – und weshalb es sich lohnt, »Effi Briest« zu lesen, selbst wenn Duelle wegen Liebesaffären und damit einhergehender Ehrbeleidigungen nicht mehr an der Tagesordnung stehen mögen …
Lektüren · 29. August 2018
Was »Emma Bovary« rund 160 Jahre nach Erscheinen noch immer grandiose Lektüre sein lässt: Die Kunstgriffe mit Hilfe derer Flaubert dieses Erzähluniversum gestaltet! Von Kommunizierenden Röhren über Zeitsprünge bis zu Geschlossenen Vorhängen ist die Rede …

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